Empfaenger : /FIDO/AQUARIUM.GER (Alle) Absender : Derk Reckel @ 2:2437/210.3 (Rollo's Mailbox USR V34, Goettingen) Software : CrossPoint v3.11 R/A8545 Betreff : Die Kugelfisch - FAQ Datum : Di 24.12.96, 00:00 (erhalten: 24.12.96) Groesse : 10332 Bytes ---------------------------------------------------------------------- Moin Zusamm! Hier kommt sie, die langerwartete und hoffentlich ultimative KUGELFISCH-FAQ! Puenktlich zum Weihnachtsfest die Infos, die der Aquarianer braucht um sich gleich noch ein weiteres Aquarium zuzulegen und zu bevoelkern... Wer Gruende sucht, Kugelfische nicht im Suesswasseraquarium zu halten, der moege den Artikel ueberspringen... Wer dagegen Gruende sucht auch einmal Kugelfische im Suesswasseraquarium zu halten, und evtl. auch zu vermehren, der moege hier weiterlesen, vor allem auch wegen der Artenbeschreibungen am Ende des Aufsatzes. Zu Anfang steht nun die allgemeine Beschreibung der Haltung von Kugelfischen, in was auch immer fuer Aquarien. 1.0 Allgemeines 1.1 Stellung im Tierreich Ordnung Tetrodontiformes Familie Tetraodontidae bestimmende Gattung Tetraodon 1.2 Abgrenzung zu anderen Fischen Im Gegensatz zu anderen Fischen liegen bei den Kugelfischen die Antriebsorgane in den Pectoralen (Brustflossen), der Dorsalen (Rueckenflosse) und der Analen (Afterflosse). Die Art des Schwimmens, die sich hiermit ergibt hat komische Elemente und laesst sich am einfachsten mit dem Begriff "propellern" beschreiben. Die Tiere koennen sich bei Beunruhigung aufblaehen, d.h. sie pumpen ihren Magen entweder mit Wasser (Unterwasser) voll, oder mit Luft (an der Wasseroberflaeche). Damit schuetzen sie sich durch eine Vergroeserung des Durchmessers vor Fressfeinden, die auf die eigentliche Groesse abgeziehlt haben. Ausserdem ist die Haud der meisten Arten mit kleinen Stacheln besetzt, die bei einer marinen Art Namensgebend ist (Igelfisch). Der Koerper ist allgemein gedrungen und mit einer lederartigen Haut bedeckt. Diese kann in Einzelfaellen (Igelfisch) mit scharfkantigen Schuppen bedeckt sein. Das Gebiss wird wie eine eine Zange zum Zerknacken von Muscheln und Schneckenhaeusern verwendet, die in der freien Natur die Hauptnahrung dieser Fische darstellen duerften. Im Allgemeinen wird ein kraeftiges Lebendfutter benoetigt, doch darf es nicht zu beweglich sein, da alle Kugelfische keine guten Schwimmer sind! Manche Kugelfische lehnen z.B. Schnecken als Nahrung komplett ab! 2.0 Haltung Die Kugelfische unterteilen sich bezueglich der Haltung grob in die K., die nur im Seewasser gehalten werden koennen, die K., die in See-, Suess- und Brackwasser gehalten werden koennen (wenn auch meist nur fuer einen Zeitabschnitt ihrer Entwicklung), und die K. die in Suesswasser gehalten werden koennen. Kugelfische ernaehren sich in der Natur in der Regel von hartschaligen Lebewesen, wie z.B. Schnecken, Krebsen und Garnelen. Damit ist auch recht genau beschrieben, mit welchen Tieren Kugelfische in keinem Fall zusammengehalten werden duerfen. Die Zaehne der Kugelfische sind zu zwei oberen und zwei unteren Gebissleisten zusammengewachsen, die von einem starken Muskelapparat wie eine Zange bewegt werden koennen. Die meisten im Handel angebotenen Kugelfische (zahlenmaessig) sind Brackwasserkugelfische, sie verbringen die Jugend im Suesswasser und wandern dann waehrend der "Pubertaet" in die Brackwasserzonen. Die Geschlechtsreife erreichen sie entweder im Brackwasser oder im reinen Seewasser. In speziellen Brackwasserbecken gehalten, sind es ausdauernde Pfleglinge, die auch zum Schneckenvertilgen in ein Suesswasserbecken gesetzt werden koennen, da sie auch in der Natur gelegentlich in die Fluesse raufschwimmen. Es gibt z.B. auch Aquarienvereine, die fuer gelegentliche Schneckenprobleme ihrer Mitglieder ein Brackwasserbecken mit einem Kugelfisch haben. Die Wasserverhaeltnisse fuer in reinem Suesswasser zu haltende Kugelfische sollten fuer die meisten Arten im neutralen pH-Bereich bei etwa 8 bis 15 Haertegraden liegen. Als Temperaturbereich koennen 23-28 Grad als allgemeingueltig angenommen werden. Als Futter werden neben Schnecken von den meisten Tieren auch Bachflohkrebse, und andere hartschalige Futtertiere genommen. An das uebliche Frostfutter lassen sie sich in der Regel gewoehnen, einige Exemplare auch an Futtertabletten. Hartschalige Futtertiere gehoeren aber zum muss des Speisezettels, da sich die Zahnleisten sonst nicht abnutzen koennen. Sie sind gierige Fresser, die sich den Magen bis zur Oberkante fuellen, so dass woechentliche Fastentage die Regel sein sollten. Pflanzen werden zwar oft an- oder abgebissen, aber nicht gefressen. Setzt man einen Kugelfisch zur Schneckenbekaempfung in ein Becken, so muss man daran denken, dass er aus grossen Schneckenhaeusern die Schnecke oft nur unvollstaendig herausbekommt, so dass Reste unter Umstaenden zu einer Verschlechterung der Wasserwerte fuehren konnen. Hat man nun vielleicht ein paar Kugelfische eine Zeitlang zu deren Zufriedenheit gepflegt, koennen sich diese evtl. auch im Aquarium vermehren. Dabei kann es aber zu Komplikationen kommen, wenn andere Fische vom Kugelfischlaich fressen, da zumindest fuer See- und Brackwasserkugelfische eine Giftigkeit desselben nachgewiesen ist. Giftig sind ausserdem manche inneren Organe (vor allem die Geschlechtsorgane), so dass ein unentdeckter Todesfall bei einem Kugelfisch durchaus den Besatz des gesamten Beckens kosten kann. 3.0 Arten 3.1 Seewasserkugelfische Wegen der vielen Arten und der wenigen Interessenten unterbleibt hier die weitere Betrachtung verschiedener Arten. Sorry, auch wenn die farbigsten Arten, wie zu erwarten im Seewasser vorkommen. 3.2 Brackwasserkugelfische Leider sind die meisten der "Suesswasseraquaristisch" interessanten Arten, zumindest nach importierter Stueckzahl, zu dieser nicht auf Dauer im deutschen Leitungswasser haltbaren Gruppe zu rechnen. 11 der unten aufgefuehrten Arten kann man zu dieser Gruppe rechnen, von diesen koennen 9 zumindest fuer laengere Zeitraeume in reinem Suesswasser gepflegt werden. Mit einem leichten, Pflanzenvertraeglichen Salzzusatz sind die meisten dieser Arten aber schon auf die Dauer zufrieden. 3.3 Suesswasserkugelfische Die zumindest von der Stueckzahl her am seltensten importierten Kugelfische, die aber bei Beachtung der Haltungsrichtlinien sehr lange haltbar sind. 7 der unten aufgefuehrten Arten zaehlen zu den obligatorischen Suesswasserbewohnern. 3.4 Artenverzeichnis Hier verzeichnete Arten beziehen sich in den Ziffern auf die Wasserverhaeltnisse wie in den vorangegangenen Punkten. Chelonodon C. patoca, Asiatischer Papageikugelfisch Bis 30 cm; 3.1, 3.2; Friedlich gegen andere Arten; gut haltbar im Seewasser, schnellwuechsig. Colomesus C. asellus 3.2, 3.3 C. psittacus, Suedameikanischer Papageikugelfisch Bis 30 cm; 3.2; 3.3; von Kuestengewaessern bis in weichere Nebengewaesser des Amazonas. Chonerhinus C. modestus Ca. 14 cm Laenge, 3.1, 3.2, selten 3.3 C. naritus Ca. 30 cm Laenge, 3.1, 3.2, selten 3.3 entsprechend der Ansprueche weit verbreitet. Sphaeroides S. oblongus, Sattelbindenkugelfisch Bis 30 cm, 3.2 Tetraodon T. cutcutia; Gemeiner Kugelfisch, Blauaugen-Kugelfisch Bis 20 cm (meist nur 8 cm), 3.2, 3.3; Pflege leicht, unvertraeglich. Farbe olivgruen bis gelblich mit grossen braunen und schwarzen Punkten. Zucht Brackwasser, Jungtiere sehr friedlich. T. erythrotaenia; Bis 9 cm; 3.2, 3.3; unvertraeglich. T. fahaka; Nilkugelfisch Bis 45 cm; 3.3; angeblich nur in Kuestennaehe, aber aus mehreren Flussgebieten nachgewiesen, bissig, waermebeduerftig. Angeblich Unterart aus dem Rudolfsee, GL nur bis 6 cm, aber genauso unvertraeglich (T. fahaka rudolfianus). T. fluviatilis; Gruener Kugelfisch Die am haeufigsten importierte Art! Erkennungsmerkmal: kleine Punkte auf olivguener oder goldener Grundfarbe. Bis 17 cm, importierte Exemplare meist 2-5 cm; 3.2, 3.3, vertraegt reines Seewasser nicht, dagegen reines Suesswasser gut. Bestes Wohlbefinden mit Brackwasser (1 Teeloeffel/10 Liter). Hier auch Laich, wie T. cutcutia. T. leiurus brevirostris, Leierkugelfisch Ca. bis 17 cm; 3.3, sehr unvertraeglich. Nominatform noch nicht importiert. Im Aquarium Zuerich gezuechtet! T. loreti, Kammkugelfisch Bis 6,5 cm; 3.3; Zucht mehrfach gelungen, bis 350 Eier. Geschlechter durch Dichromatismus kenntlich. Haeufigster importierter Suesswasserkugelfisch, der sich gut im Gesellschaftsbecken halten laesst, im Spezialbecken aber besser zur Geltung kommt. Revierbildend. Aggressiv gegen andere Kugelfische. T. mbu, Goldringel-Kugelfisch Bis 75 cm; meist kleiner, weit verbreitet, sehr bissig, 3.3 T. miurus, Koffer-Kugelfisch, Brauner Kugelfisch Bis 15 cm, 3.3; Nimmt als Futter lieber langsam schwimmende Fische als Schnecken oder Muscheln; sehr raeuberisch, sehr unvertraeglich; frisst fast keine Schnecken!!! T. palembangensis Bis 20 cm; nach T. fluviatilis der am haeufigsten importierte Kugelfisch! aggresiv, besser im Brack- oder Seewasser zu pflegen. Zu erkennen: auf Goldgelbem Grund ein dominierender brauner Rueckenfleck. Je nach Groesse vom Suesswasser zum Salzwasser ueberwechselnd. 3.1, 3.2, (3.3) T. pustulatus unvertraeglich, aber leicht an Suess- oder Brackwasser zu gewoehen. 3.1, 3.2, 3.3 T. schoutedeni; Kongokugelfisch, Leopardkugelfisch Bis 10 cm, 3.3; sehr friedlich, Kaempfe nur unter Artgenossen, mehrfach nachgezogen. T. travancoricus; Zwergkugelfisch Bis 2,5 cm, (3.2?), 3.3, in 1996 mehrfach importiert. Literatur: DATZ, 1967-1972, 1976-1996 Frey, Hans: Das Aquarium von A bis Z; Neudamm 1964 Mayland, Hans J.: Tropische Aquarienfische; Hannover, 1979 Riel/Baensch: Aquarienatlas Bd. 1-3, Melle 1985-1990 Sterba, Guenther: Suesswasserfische der Welt; Leipzig, Jena, Berlin, 1990 TI, Heft 1-108